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Gegen Irritationen um den Tag der Befreiung

Beeskow gedenkt am 8. Mai des Tages der Befreiung

Auf die an alle Abgeordneten der Stadt ergangenen Einladung zum Gedenken anlässlich des Tages der Befreiung am 8. Mai schrieb der Abgeordnete Udo Schulze (Bürgerforum) an den Bürgermeister sowie an die Fraktionsvorsitzenden der LINKEN, der SPD und der CDU:

„Sehr geehrter Herr Bürgermeister, Aufgrund der aktuellen aggressiven Außenpolitik (Besatzung der Krim/Einmischung Ukraine) des Staates Russland, ist mir aus meiner menschlichen freiheitsdenkenden Ansicht eine Teilnahme an dieser Veranstaltung nicht möglich. Ich lehne die militärische Besatzungspolitik Russland ab. Beste Grüße Udo Schulze“

Die Vorsitzende der Fraktion DIE  LINKE, Dr. Karin Niederstraßer, antwortete daraufhin ihrem Kollegen Abgeordneten: 

„Sehr geehrter Herr Schulze, 

Ihre E-Mail bezüglich Ihrer Nichtteilnahme am Gedenken zum „Tag der Befreiung“ habe ich zur Kenntnis genommen. Ich kann diese Auffassung eines Kollegen Stadtverordneten jedoch nicht unwidersprochen hinnehmen.

1.    Ob man eine Einladung zu einem Gedenken wahrnimmt oder nicht, muss man selbst entscheiden. Eine unzulässige Vermischung historischer Sachverhalte als Begründung einer Absage zu wählen, widerspricht meinem Wahrheitsempfinden und findet daher auch nicht meine Akzeptanz. 

2.    Wenn Sie schreiben, dass Sie hier Ihre „menschlichen freiheitsdenkenden Ansichten“ vertreten (können), dann ist es vor allem auch dem Ende der menschenverachtenden Gewaltherrschaft des Nationalsozialismus zu verdanken, das durch den „Tag der Befreiung“ gewürdigt wird.

3.    Leider scheint bis heute noch Vielen diese historische Begründung dieses Gedenktages entgangen zu sein. Die Interpretation als Tag der Befreiung in der Rede des damaligen Bundespräsidenten Richard Weizsäcker am 8. Mai 1985 anlässlich des 40. Jahrestages des Kriegsendes in Europa vor dem Deutschen Bundestag hatte für ganz Deutschland wegweisenden Charakter und trug dazu bei, bisherige Fehldeutungen dieses Tages vor allem durch rechtsextremistische Kräfte nach und nach zu überwinden.

4.    An diesem historischen Gedenktag werden wir also auch auf dem Friedhof für die Gefallenen der Roten Armee in Beeskow der Einladung des Bürgermeisters folgend, symbolisch aller im Kampf gegen den Hitlerfaschismus Gefallenen ehrenvoll gedenken und uns davon von niemandem abhalten lassen, ganz gleich mit welcher Begründung.

Beste Grüße Karin Niederstraßer 

PS. Ich habe Sie auch vor der Ukraine-Krise in den letzten Jahren leider noch nie an diesem Ort des Gedenkens gesehen.“