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"Ehren wir ihr Andenken dadurch, indem wir den Anfängen wehren."

Rede von Sebastian Meskes anlässlich des Tags der Befreiung.

Liebe Anwesende,

zum 74. Mal jährt sich in diesem Jahr das Ende des Zweiten Weltkrieges in Europa.

Mit diesem Tag enden sechs Jahre des Sterbens auf den Schlachtfeldern Europas und in den deutschen Vernichtungslagern. Über 50 Millionen Menschen mussten bis zu diesem Tag ihr Leben lassen.

Meine Generation ist die letzte Generation, die von den Grauen des Krieges und der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft noch aus Erzählungen ihrer Großeltern erfahren hat. Und doch scheint es, als verblassten diese Schrecken bereits so sehr, dass es wieder möglich ist, dass Nazis in die Parlamente einziehen und ihre Parolen wieder gesellschaftsfähig werden.

Wir tun daher gut daran, uns den Weg in den Abgrund, dessen Endpunkt der 8. Mai 1945 markiert, in Erinnerung zu rufen. Er begann nicht mit dem militärischen Scheitern Deutschlands, er begann nicht am 1. September 1939 mit dem Beginn des Zweiten Weltkrieges und auch nicht 31. Januar 1933 mit der sogenannten Machtergreifung der Nazis.

Der Weg in den Abgrund begann viel früher. Er wurzelt im von oben oktroyierten Weg Deutschlands zur Nation und setzte sich fort im Militarismus des Kaiserreiches und im Scheitern der Weimarer Demokratie. Es war ein aus heutiger Sicht erschreckend direkter Weg einer Nation, die  zwar Kant, Hegel und Marx hervorbrachte, aber keine zwei Generationen später ihre Nachbarn in Vernichtungslagern ermordete und die Welt mit Krieg überzog.

Wir sollten uns heute in Erinnerung rufen, wie kurz der Weg von einer sogenannten Kulturnation zum größten Schlächter Europas war. Wir sollten uns erinnern wie kurz dieser Weg war, wenn heute wieder ethnische Minderheiten als Sündenböcke herhalten müssen und wieder pogromgleich Menschen durch Städte gehetzt werden.

Es sollte uns Angst machen, wenn die Medien von der Empörung über ein Interview des Juso-Vorsitzenden über Kollektivierung dominiert werden und zeitgleich Nazis in mehreren Städten Aufmärsche abhalten, ohne dass dies nennenswerte oder gar vergleichbare Aufregung verursacht.

Nehmen wir die Zeichen wahr und setzen den neuen Nazis so früh wie möglich ein Stoppzeichen. Zum Beispiel bei den anstehenden Wahlen.

Millionen Menschen haben ihr Leben für unsere Befreiung gelassen und dafür, dass wir das Glück haben dürfen, in Frieden und Demokratie zu leben. Ehren wir ihr Andenken dadurch, indem wir den Anfängen wehren.

Vielen Dank.

 

 


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Sebastian Meskes