Traditionell ist Erkner eine Schlafstadt für Berlin. Schon immer war die Hauptstadt Arbeitsort der Menschen, die am Rande der Großstadt wohnen. Aber nicht jeder kann
und möchte sich morgens und abends mit den Widrigkeiten der öffentlichen Verkehrsmittel herumschlagen. Arbeit, von der man menschenwürdig leben kann, muss auch in den Stadtrandkommunen geschaffen werden. Menschen wollen arbeiten, denn Arbeit bringt Anerkennung, Kommunikation mit Kollegen und das nötige Geld
für die Bedürfnisbefriedigung. Arbeit hat nicht zuletzt auch bessere Infrastruktur und finanzielle Ausstattung der Kommunen.
Wie groß die Aufgaben auf dem Arbeitsmarkt in Erkner sind, verdeutlicht die Bilanz nach fünf Jahren Hartz IV:
Von 2005 sank die Zahl der Bedarfsgemeinschaften (Familien, die auf Arbeitslosengeld II angewiesen sind) von 823 auf 739. Dabei ist allerdings zu beachten, dass seit 2007 junge Menschen bis zum 25. Lebensjahr, die bei
ihren Eltern wohnen, nicht mehr als eigenständige Bedarfsgemeinschaft gerechnet werden. Ausziehen dürfen sie auch nur mit Genehmigung des Amtes.
Die Zahl der betroffenen Menschen sank von 1 059 im Jahr 2005 um 19 Prozent auf 941 im Jahr 2009. Gesunken ist die Zahl der unter 25-jährigen Hilfeempfänger von 265 auf 174. Nicht gezählt werden auch hierbei die Menschen, deren Arbeitslosen-
geld-II-Anspruch weggefallen ist, weil Eltern oder die Partner „zu viel Einkommen“ haben. Seltener entfällt das Arbeitslosengeld, weil in den Familien die Schongrenzen bei den Vermögenswerten überschritten werden.
2005 mussten in Erkner 249 Kinder unter 15 Jahren vom Arbeitslosengeld II leben. Im Jahr 2009 waren es bereits 318. Das ist besonders schlimm!
Innerhalb der letzten beiden Jahre haben viele Menschen aus Hartz IV wieder Arbeit gefunden. Leider aber nur schlecht bezahlte, so dass die Zahl der so genannten Aufstocker wuchs, die trotz Arbeit weniger verdienen als ihnen nach dem Arbeits-
losengeld-II-Bedarf zusteht. Im Jahr 2007 betraf das 274 Menschen, im Jahr 2009 waren es bereits 349.
Im Jahr 2005 lebten in der Stadt Erkner 268 Menschen von der Sozialhilfe, die nicht in der Lage sind, drei Stunden täglich zu arbeiten. Im Jahr 2009 betrug ihre Zahl schon 327.
In der Stadt werden gegenwärtig nur neun Menschen über das Programm "Kommunalkombi“ gefördert, sehr viele dagegen arbeiten in einem Ein-Euro-Job.
Die Fraktion DIE LINKE hat sich schon jahrelang für Menschen eingesetzt, die unfreiwillig ohne Arbeit sind und Schwierigkeiten haben, am gesellschaftlichen Leben
teilzunehmen. Als erste Stadt im Landkreis hat Erkner auf Antrag der LINKEN 2005 ein Sozialticket eingeführt. Es wird für alle bedürftigen Einwohner ausgestellt, nicht nur für Hartz-IV-Empfänger. Mit Stand 1. Januar 2010 wurden bisher Tickets für 299 Personen vergeben. Zum Vergleich: Bis Dezember 2006 waren es 255 Menschen.
Die Inhaber des Sozialtickets sind berechtigt, Ermäßigungen beim Besuch städtischer Einrichtungen und Veranstaltungen in Anspruch zu nehmen. Im Einzelnen betreffen die Ermäßigungen den Kostenbeitrag für das Mittagessen in den städtischen Schulen, den Besuch des Gerhart-Hauptmann-Museums (Eintritt 2,00 Euro, ermäßigt 1,50 Euro), die Hundesteuer (für den 1. Hund 42 Euro im Jahr, ermäßigt 21 Euro), die Verwaltungsgebühren (Baumfällgebühren können auf Antrag erlassen werden), die Nutzung des Internets in der Stadtbibliothek (regulär kostet eine Stunde zwei
Euro, ermäßigt gibt es eine Stunde kostenlos pro Tag).
Darüber hinaus gewährt die Stadt eine Reihe von zusätzlichen Leistungen im sozialen Bereich, wie z. B. das Zuckertütengeld in Höhe von 80 Euro pro Schulanfänger
(für alle Kinder), den Geburtenzuschuss in Höhe von 250 Euro pro Kind, Zuschüsse für Einrichtungen und Vereine für Fahrten, Veranstaltungen und für soziale Zwecke wie
die Schulsozialarbeit, die „Klappstulle“, die Erkneraner Tafel.
Dr. Elvira Strauß
Bürgermeisterkandidatin der LInKEn für Erkner
stellt sich vor
Ich bin 58 Jahre alt. Meine Familie
lebt seit genau 30 Jahren in Erkner,
hier haben meine beiden Töchter die
Schule absolviert, hier habe ich Wur-
zeln geschlagen, Freunde gefunden
und mit meinem Mann viele Schö-
nes erlebt. Erkner ist meine Heimat,
obwohl ich in Thüringen aufgewach-
sen bin.
Schon mit 18 Jahren trat ich in die SED ein und woll-
te dazu beitragen, die Welt gerechter zumachen. Nach
Studium und Arbeit als FDJ-Sekretär im Zementwerk
Rüdersdorf erlebte ich als Hochschullehrerin in Berlin
1989 die Wende. Ich wurde damals zwischen den unter-
schiedlichsten Gefühlen hin und hergerissen. Mein Va-
terland, meine Hochschule, mein Ziel der Promotion B
und mein Beruf, alles war in Frage gestellt. Aber auf der
anderen Seite gab es die Erfahrung fehlender Demokra-
tie, individueller Freiheit, Misswirtschaft und Personen-
kult. Aber frustriert aus der Partei auszutreten, das kam
für mich nicht in Frage. Das hätte für mich Weglaufen
vor der eigenen Verantwortung bedeutet.
Inzwischen habe ich viele neue Erfahrungen gesam-
melt und vor allem gelernt: Nur wer etwas tut und sich
nicht abfindet, kann Dinge verändern. Deshalb bin ich
seit vier Legislaturperioden Mitglied der Stadtverordne-
ten-Versammlung in Erkner. In der Opposition hat die
LINKE-Fraktion, deren Vorsitzende ich bin, viele Ideen
für eine lebenswerte Stadt entwickelt, die zwar meist
erst einmal von der Mehrheit der Stadtverordneten
abgelehnt wurden, dann aber doch zum Teil Realität
wurden. Seit über fünf Jahren engagiere ich mich in
der Erkneraner Initiative gegen Hartz IV, weil ich die
Arbeitslosigkeit und damit die Ausgrenzung aus dem
gesellschaftlichen Leben für ungerecht und nicht hin-
nehmbar empfinde.
fen der „Initiative
Erkner gegen Hartz
IV“ im Anglerheim
• 4. 3., 19 Uhr, Wäh
lerforum der MOZ
im Café Bechstein in
Erkner
• 8. 3., vormittags,
Gratulationen zum
Frauentag in Erkner;
Nachmittags: Kranz
niederlegung aus
Anlass Bombardie
rung Erkner
• 14. 3., ab 18 Uhr,
Wahlparty im Re
staurant „El Gaucho“
Die Initiative Erkner gegen Hartz IV
verkauft Arbeitsplätzchen auf dem
Erkneraner Weihnachtsmarkt 2007,
rechts Dr. Elvira Strauß
Die stolzen Groß-
eltern Strauß