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15. Februar 2018

Aschermittwochsrede von "Hausmeister Hansen"

Auftritt mit Besen, fegend:

Puh … Nach diesem Wochenende muss man ganz schön aufräumen. Und da meine ich nicht nur die zerstörten und abgefackelten Wahlkampfplakate. Da haben sich ja die Betroffenen selber gut ins Zeug gelegt. Das habe ich selber gesehen – nicht nur bei diesem Facebook, aber da ging es erst her …

Sie wissen doch, was dieses Facebook ist, oder? Jeder der seine gute Erziehung vergessen will, darf hier schreiben, was er will und dabei seine Kinderstube so richtig vergessen ...

Und ich bin hier auch online! Zumindest lese ich vieles. Das mit dem Schreiben gelingt mir mit meinen dicken Fingern nicht so.

Zumindest ging es am Wochenende da richtig hoch her. Man könnte meinen: Die Kandidaten haben so richtig Feuer gefangen!“ Naja was soll‘s …

(stößt mit Besen ans Pult und betrachtet dieses neugierig)

Cool. So ein Rednerpult. Steht bestimmt für einen Promi hier oder für einen Politiker. Oder für einen, der beides ist. Da sagt meine Olle immer, das sind dieselben Verbrecher.

Ich wollt ja auch immer an so einem Pult reden, ob ich mich mal traue?

„Sprich hochdeutsch, wisch Dir den Mund ab und nimm die Hände aus der Tasche!“ hat meine Deutschlehrerin immer gesagt.

Habe ich mich überhaupt vorgestellt?

Hansen. Hausmeister.

Ich habe mich dann beworben auf eine Stelle bei der Stadt im Pool.

Cool, dachte ich.

Den ganzen Tag baden und wellnessen und Cocktails trinken – und das im öffentlichen Dienst …

Das gibt es doch sonst nur bei VW im Aufsichtrsrat. Oder bei dieser Wohlfahrtsorganisation bei der Queen.

Ich bin dann zwar gelandet im Pool, aber im Hausmeisterpool. Ist aber auch ganz nett und mit meinen Kollegen verstehe ick mir janz duffte. Äh … sehr gut.

Besonders die kleene Elke, die ist spitze. Die arbeitet hier als Putzfee im Rathaus und bringt immer mal geheime Pläne mit, die sie in den Mülleimern gefunden hat. Das abends zu lesen, ist spannender als mancher Tatort.

Aber im Tatort gibt es mehr Leichen. Ehrlich Leute, Leichen soll der Hengst im Keller haben. Dass soll sogar im Übergabeprotokoll von Altbürgermeister Manfred Reim gestanden haben – sagt Elke.

„Alle Leichen an Hengst übergeben“ steht da und ein Haken ist dahinter.

Nur gefunden haben wir noch keine – schade eigentlich.

Elke ist übrigens krank. Na kein Wunder, ist ja ein knüppelharter und mies bezahlter Job, den sie da macht – und Danke! sagt meist auch keiner. Setzen sich morgens immer ins saubere Büro ohne an die fleißigen Arbeiterinnen aus der Nacht zudenken. Das kann ganz schön krankmachen.

Und eine richtige Lobby haben die ja auch nicht. Vielleicht sollte zur nächsten Bundestagswahl mal eine Putze in der Wahlarena sitzen und die Kanzlerin nerven. So wie der coole Altenpfleger letztens. Wobei, den verarschen sie ja auch nach Strich und Faden.

„Die Situation in der Pflege wird deutlich verbessert.“ verspricht der SPD-Vorsitzende Martin Nahles. 8000 neuen Stellen werden geschaffen – bei 13000 Pflegeheimen in Deutschland. Das sind fast eine ¾-Stelle pro Einrichtung. Das wird die Situation der Beschäftigten verbessern und die der Bewohner erst recht …

Naja, nun ist sie krank und ich stehe hier alleine …

Wo war ich stehengeblieben?

Ach ja, beim Aufräumen nach dem Wochenende.

Die LINKEN haben die Plakate angezündet, da war sich die Netzgemeinde schnell einig.

Das wird was dran sein, glaube ich. Der Schwarze Block in Fürstenwalde ist berüchtigt – oder war es zumindest vor über 50 Jahren. Jetzt sind die Genossen ja etabliert und über 70 …

Aber in den 30er Jahren, da haben sich die Roten mächtige Saalschlachten mit den Nazis geliefert. Sogar richtige Leichen waren da zu beklagen gewesen.

Warum sie heute in einem Bündnis mit den Salonfaschisten der AfD sein sollen, wie im Netz gemutmaßt wird, verstehe ich nicht ganz. Irgendwie haben die, die das behaupten, wenig politische Grundbildung erfahren, fürchte ich.

Der Herr Rudolph jedenfalls und der Herr Hamacher, die haben am Sonntag richtig zugepackt und die Straße gekehrt.

Schade, dass der Schnee erst gestern Nacht kam … Dann hätten sie der Firma Bartsch beim Winterdienst helfen können. Die schaffen das doch immer nicht. Oder nur mit viel verbotenem Salz …

Der Herr Rudolph ist übrigens der freundliche Herr auf den vielen Plakaten, mit Mutti und Oma, beim jugendlichen Skaten oder auch bei der ersten Fahrstunde mit ermahnendem Schulterblick.

Da sieht er übrigens doch aus wie Commander William T. Riker vom Raumschiff Enterprise. Die ewige Nummer 2 hinter dem Käpt‘n Jean Luc Picard. Der, als er einmal das Kommando über das Raumschiff alleine hatte und selber der 1. war, das Raumschiff am Planeten zerschellen lies und das gesamte Raum – Zeitkontinium durcheinanderbrachte …

Ein bissel fürchte ich mich vor dem Gedanken, dass der Rudolph in Fürstenwalde mal der 1. ist …

Herr Rudolph ist ja Mitglied des BFZ, eines politischen Vereines – wie übrigens alle anderen Parteien auch. Und mischt mit beim BVB / Freie Wähler, der ja auch ein politischer Verein ist und sogar Landtagsabgeordnete stellt.  Aber als Bürgermeisterkandidat ist er ja (partei-)unabhängig … Wahrscheinlich wie der Herr Hamacher, obwohl der ja sogar Mitglied einer richtigen Partei ist: Den Piraten.

Unabhängig ist das nicht wirklich.

Ich habe die beiden gesehen, als ich Sonntag früh nach Brötchen ging.

Am Bahnhof traf ich übrigens zwei sehr hilfsbereite Diskogänger im Späti beim Guten Morgen - Bier. Der eine hatte wohl seinen Hausschlüssel verloren, aber der andere war sofort zur Stelle: Nimm doch meinen, ick gehe heute sowieso noch nicht nach Hause …“

Aufräumen wollen sie ja sowieso – sagt der Herr Rudolph für das Bündnis Fürstenwalder Zukunft.

Aufräumen. Aufdecken. Die Verantwortlichen zur Verantwortung ziehen.

Und wirbeln dabei so viel Staub auf, dass sie weder Zukunft noch Gegenwart sehen. 

Sehen so nie, was geschaffen wurde und was an Neuem entsteht.

Nur was vor vielen Jahren falsch gemacht wurde, heute zu sehen, ist doch keine Kunst, oder? Das kann ich auch …

Aber damals wäre es doch sinnvoller gewesen.

Oder: Heute seine Kraft nicht nur in Aufarbeitung zu stecken, sondern heute Politik für morgen ohne die Fehler von gestern zu machen, oder?

Zumindest ich als Hausmeister muss so arbeiten. Dreck sofort wegräumen und dafür sorgen, dass kein neuer entsteht. Weil ich z.B. Mülleimer dahinstelle, wo der meiste Dreck anfällt.

Aber wie heißt es so schön?

"Jedes Ding hat drei Seiten, eine positive, eine negative und eine komische."

Aber unsere Zukunftsfraktion, die ja auch bald den Bürgermeister stellen will, macht sich ja eher mit inquisitorischem – ja metaphysischem Eifer daran die Verbrecher im Rathaus zu jagen und die Stadtverordneten, die diese schützen gleich mit…

Sie wissen nicht, was Metaphysik ist? Metaphysik ist doch der Versuch, in einem verdunkelten Zimmer eine schwarze Katze zu fangen, die sich gar nicht darin befindet …"

Und was macht eigentlich das andere Bündnis, also das Bündnis 90 / die Grüne im Bürgermeisterwahlkampf?

Wie immer. Eigentlich nichts …

Der Peter Apitz ficht seit Wochen und Monaten seinen privaten Krieg gegen die Kulturfabrik aus. Vielleicht sollte Herr Öhler ihn hier einfach häufiger spielen lassen? Vielleicht hilft das …?

Obwohl: Auch das „Bündnis Fürstenwalder Zukunft“ kämpft ja gegen die Kulturfabrik. Aber das ist ja klar. Man fürchtet sich ja immer vor dem, was man selber nicht hat: in dem Falle einfach Kultur.

Und was soll Herr Rudolph auch hier in der Kufa aufführen? Vielleicht das Rumpelstilzchen? Am Besten gleich im Duett mit Herrn Fischer: wütend und hassend um das Feuer tanzend … Das sieht bestimmt witzig aus, aber würde die Kinder aus dem Kinderladen verschrecken. Geht also nicht.

Oder was Klassisches? Meine Tochter liest in der Schule gerade „Kabale und Liebe“ … Wie wäre es denn dann mit dem Wurm?

Aber ein Grüner schlägt aus der Art und engagiert sich im Wahlkampf: der ehemalige Kulturfabrikant Friedrich Stachat. Also doch eine Kulturfrage diese Bürgermeisterwahl?

Über eine Kandidatin habe ich noch gar nicht geredet. Karin Lehmann von der CDU …

Die einzige Frau in diesem Männerstreit. Die die Politik anders machen will und sicher auch kann.

Nur wie sie das macht und was vor allem, das verrät sie uns nicht so richtig. Schade eigentlich.

Wenn ich meinem Neuen Tag – ach ne der MOZ , glauben kann, haben das sogar ihre eigenen Parteimitglieder zur Neujahrsrede von Frau Lehmann vermisst.

Und jetzt in der Stadtverordnetenversammlung fiel das auch ihrer Fraktion auf, dass die Chance für eine richtig gute Bürgermeisterrede verschenkt wurde. Doch die durften das ja nicht sagen, daher beschwerten sie sich einfach darüber, dass die anderen – allen voran der linke Wende - dies getan haben.

Der Wende, der ist übrigens auch so ein Unikum in Fürstenwalde. Der hat bestimmt noch mehr Leichen im Keller, als der Hengst und der Reim.

Der Wende ist erst 41, aber hat heute noch Schuld an der Mauer, der SED und der Stasi – und arbeitet noch mit denselben Methoden. Zumindest wenn ich das bei Facebook über ihn Geschriebene richtig verstehe. Dabei war der doch erst 12 als es SED und Stasi noch gab …

Der Wende wollte ja auch mal Bürgermeister werden … Aber da war der Glasermeister besser – aber auch nicht gut genug. Und jetzt munkeln alle, dass er für den Hengst ist, weil er auch im Rathaus arbeiten will. Naja, bei mir in der Hausmeisterbrigade wäre noch was frei …!

Übrigens Herr Rudolph hat erst gar nicht in der Stadtverordnetenversammlung geredet und dann doch. Aber nur um mitzuteilen, dass er a) seine Rede nicht hält und b) den Haushalt ordentlich findet und c) ihn trotzdem von der Kommunalaufsicht überprüfen lässt.

Da bin ich doch etwas vom Besen abgerutscht, als ich das gehört hatte. Da hat sich einer ganz schön verrannt, dachte ich.

Und das ich mir auch ein bisschen Sorgen mache, wie das nach dem 25. Februar so weitergeht.

Bei aller Lust am Aufräumen muss ja nicht alles Porzellan zerdeppert werden, oder? Und an Elke müsst ihr im Wahlkampf ja auch denken. Die muss hinterher wieder alles wegfegen …

Dass das nicht einfach sein kann, hat ihr eine Freundin aus Königs Wusterhausen erzählt: Da wurde auch einer Bürgermeister, der alles besser machen kann und weiß. Der die Kitabeiträge und Straßenausbaubeiträge abschaffen will und nun merkt, dass das gar nicht geht …

Und nebenbei hat er allen Leuten erfolgreich „vor den Koffer geschissen“ und nun will keiner mehr mit ihm zusammenarbeiten.

Eine sachkundige Einwohnerin unseres Vergangenheitsbündnisses BFZ schrieb bei Facebook dazu:

„Überall dasselbe. Wenn sich die Bürger gegen Filz und für den neuen Ennullat entscheiden, eskalieren die, die so gut damit leben. In Fürstenwalde stehen auch Wahlen zum Bürgermeister an. Eine Alibi-Kandidatin, die die Sportlerstimmen abfangen soll und zur Stichwahl wie AfD, SED/PDS und Altparteien sich zum Altbürgermeister bekennen wird und halt der Neue. Der sich aufregt über Vetternwirtschaft, Veruntreuung, Gezocke und alles, was hier so schiefläuft...“

Schwerer Tobak! Und das von einer, die die Stadtverordneten beraten und unterstützen soll. Und doch sicher daran mitarbeit, dass eben nicht so viel schief läuft, oder?

Meine Olle sagt immer: Alles anders zu machen, heißt nicht, dass es besser wird.

So nun glaub ich muss ich langsam weitermachen …

Und eins ist ja klar: Wenn ich ordentlich fege, braucht es ja wahrscheinlich neuen Besen im Rathaus!