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In der letzten Sitzung des Sozialausschusses der Stadt Erkner hatte ich den Bürgermeister bzw. die Verwaltung gefragt, ob dort die durchschnittliche Anzahl der Teilnehmer an der Erkneraner Tafel der Gesellschaft für Arbeits- und Sozialrecht e.V. (GefAS) pro Monat bekannt ist und wenn ja, wie hoch diese ist?
Dazu erhielt ich folgende Antwort:
„Bezüglich der Frage nach der durchschnittlichen Anzahl der Teilnehmer an der Erkneraner Tafel wird nach Rücksprache mit dem Bürgermeister gebeten, die aktuellen Zahlen direkt bei der GefAS zu erfragen.“
Tatsächlich habe ich natürlich der GefAS diese Frage bereits im Vorfeld der Sitzung gestellt und ich wollte wissen, ob auch dem Bürgermeister oder der Verwaltung bekannt ist, wie viele Erkneraner pro Monat auf die Leistungen der Tafel angewiesen sind. Ich wollte wissen, ob es dort interessiert, wie viele Menschen auf u.a. Lebensmittelspenden angewiesen sind, weil sie über keine oder nur geringe finanziellen Mittel verfügen, um selbst das Nötigste einzukaufen.
Ist die obige Antwort des Bürgermeisters Ausdruck eines Desinteresses oder ist sie Ausdruck der Scham darüber, dass weit über 1000 Menschen/pro Monat die Tafel in Erkner in Anspruch nehmen, weil sie darauf angewiesen sind?
Oder bedeutet sie einfach nur einen weiteren Affront gegenüber dem Fragesteller, dessen Fragen immer so unangenehm sind?
Letzteres könnte ich verschmerzen. Ich glaube aber, sie ist Ausdruck eines eklatanten Desinteresses, denn wer im Wolken-Kuckucks-Heim der heilen Erkneraner SPD-Welt lebt, der verschließt möglicherweise zwanghaft die Augen vor den Schattenseiten unserer Gesellschaft.
Und daran wird deutlich, wie unterschiedlich doch der Begriff „Soziale Marktwirtschaft“ interpretiert und verstanden werden kann. Denn was ist der Unterschied zwischen der „Sozialen Marktwirtschaft“ zu Erhards Zeiten und der viel beschworenen „Sozialen Marktwirtschaft“ nach dem Verständnis von CDU, FDP, SPD und Grünen heute?
Ganz einfach:
Es gab bis 1992 in Deutschland keine Tafeln, weil es weniger Arme gab und die meisten von ihnen auch mit der damaligen Sozialhilfe über die Runden kamen.
So ändern sich die Zeiten und hoffentlich auch das Wahlverhalten der Betroffenen.
Die Erkner-Tafel der GefAS reiht sich übrigens ein in die soziale Arbeit der über 700 Tafeln in Deutschland, die im Bundesverband Deutsche Tafeln organisiert sind. In 191 deutschen Städten mit mehr als 50.000 Einwohnern gibt es zu 90 Prozent Tafeln. Alle 83 Großstädte, bis auf zwei, sind auch Tafel-Standorte. Wurden im Jahr 2005 noch rund 500.000 Menschen regelmäßig (d.h. einmal pro Woche) mit Lebensmitteln versorgt, so sind es Mitte 2007 über 700.000 Menschen, die ergänzend mit Lebensmitteln durch die Tafeln versorgt werden. Das entspricht einem Zuwachs von 40%. Einschätzungen aus der Tafel-Umfrage vom Mai 2007 belegen, dass die Nachfrage noch weitaus höher ist. Würden der Tafeln der Nachfrage entsprechende Mengen von Lebensmitteln gespendet werden, würden sie weitere 200.000 Menschen versorgen können. Eindrucksvolle 120.000 Tonnen gespendeter Lebensmittel werden pro Jahr von den Tafeln verteilt oder ausgegeben.
Möglich wird diese Leistung u.a. durch ca. 32.000 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer, deren Arbeit besonders anzuerkennen ist (Angaben der GefAS).
Frank Dahmen
stellvertretender Vorsitzender der Fraktion DIE LINKE,
Vorsitzender des Ausschuss Bildung, Soziales, Jugend,
Gleichstellung, Sport, Kultur;
Mitgied im Ausschuss Finanzen, Haushaltsplanung,
Wirtschaftsförderung, Tourismus