28. Mai 2011

CCS – ein Exportschlager?

Frau Katharina Reiche (CDU), Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium pries in der Bundestagsdebatte zum CCS-Gesetz die CCS–Technologie vehement als Export­schlager an. Auch Herr Platzeck und andere Brandenburger Politiker benutzen dieses Argument, um CCS durchzudrücken.

Werden sich andere Länder wirklich um dieses Verfahren reißen?  Kaum  vorstellbar. Neben all den bekannten Risiken gilt das Verfahren als extrem teuer und energie­auf­wendig. Warum sollten Länder eine Technologie importieren, die selbst ca ein Drittel mehr Kohle pro Kilowattstunde verschlingt und den ohnehin geringen Wirkungsgrad der Kohleverstromung drastisch verschlechtert?

Ein Risiko, das von Fachleuten und Fachverbänden gegenwärtig mit Recht in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt wird, ist die Gefährdung des Grundwassers durch CCS. Selbst Berliner Lokalpolitiker äußern sich inzwischen kritisch bis ablehnend  und in den Berliner Randgebieten  beginnt sich der Widerstand zu formieren. Es hat sich herumgesprochen, dass selbst nur bei einer Erprobung der CO2 - Verpressung im Beeskower Gebiet oder in Neutrebbin das Grundwasser in Teilen Berlins und Polens gefährdet wäre. Einem Gutachten des Geologen Ralf Krupp zufolge wäre ein Ausbreitungs­radius um den Verpressungsort von 100 km zu erwarten. Noch in dieser Entfernung können solche Druckerhöhungen in den Gesteinsschichten auftreten, dass verdrängtes Salzwasser aus den salinen Aquiferen ins Grundwasser aufsteigt.

Ein zweiter Aspekt zu diesem Problem. Es ist bekannt, dass der Braunkohle­bergbau den Wasserhaushalt der betroffenen Gebiete stark beeinträchtigt. Die Anwendung der CCS- Technologie würde den Frischwasserverbrauch verdoppeln und die ohnehin vorhandenen Probleme im Wasser­haus­halt unverantwortlich verschärfen.

Kann man guten Gewissens ein solches Verfahren anpreisen, ohne die Folgen und Risiken zu nennen ? Kann man  im Wissen darum, dass die Versorgung mit sauberem Trinkwasser ein globales Kernproblem ist, einen  solchen Export anstreben?

Warum eigentlich sollten die Regierungen in den von der Bundesregierung für den Export ins Auge gefassten Ländern nicht auch zu der Erkenntnis kommen, dass für eine zukunftsfähige Energieversorgung  deren Umbau zu steigender Effiziens und Einsparung bei vorrangigem Ausbau erneuerbarer Energien der bessere Weg ist? Warum sollte sich nicht auch dort  die Erkenntnis durchsetzen, dass die Reduzierung des CO2-Ausstoßes besser durch seine Vermeidung und die stoffliche Verwertung  von CO2 erreichbar ist, wobei man gleichzeitig die   Ressourcen schonen könnte ?

Da der Bundesregierung durch die Verweigerung Schleswig Holsteins und Niedersachens entscheidende Speicherpotenziale verloren gegangen sind, suchen Politiker der Koalition offenbar   krampfhaft nach Argumenten, um die CCS-Technologie und damit die weitere Kohleverstromung  im Interesse der Kohlekonzerne zu rechtfertigen. Aber das Märchen vom Exportschlager CCS wird sich ebenso wie manch anderer hochfahrender Plan  (siehe Transrapid) in heiße Luft auflösen

Es ist an der Zeit, dieses unsinnige und riskante Vorhaben aufzugeben. Die dafür vorgesehenen Steuergelder sollten besser für die regenerierbare Energieerzeugung sowie Technologien zur Energieeinsparung ausgegeben werden, wie es die Bundestagsfraktion der LINKEN  in ihrem Gesetzentwurf zum Verbot einer CO2-Verpressung in Deutschland fordert.

Edelgard Liebscher