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Brunhilde Hanke wollte ein anderes Land
Die langjährige Potsdamer Oberbürgermeisterin zu Gast bei Beeskower Senioren
„Ich habe immer zu wenig gewusst,“ nicht Koketterie, Nachdenklichkeit, ja Schmerz spricht aus diesem Lebensrückblick von Brunhilde Hanke trotz ihrer erstaunlichen Karriere, ihrer akademischen Abschlüsse, 23 Jahre lang war sie Oberbürgermeisterin von Potsdam, war Mitglied des Staatsrates und der Volkskammer der DDR. Ein Insider des Systems also und trotzdem sieht sich die heute 81jährige der Aufgabe gegenüber, dazuzulernen bei ihrer „Erinnerungsarbeit“. Im Kreis der AG Seniorinnen und Senioren der Beeskower LINKEN, wo sie unlängst über diesen auch schmerzhaften Prozess sprach, konnte sie sich verstanden fühlen. Viele in der Runde kannten die Aufbruchstimmung nach dem Krieg, die Anstrengungen des Kindes aus einfachen Verhältnisse beim Nachholen einer guten Bildung, das unvermittelt mit einer viel zu großen Aufgabe Ins-Wasser geworfen-werden, Ratlosigkeit und Mangel an Vertrauen, Glauben an die Richtigkeit sozialistischer Ideale und Scheu vor doch so notwendiger Kritik – von der immer währenden Spannung zwischen Beruf und Familie ganz zu schweigen. Brunhilde Hanke fand eine besondere Möglichkeit beim Lernen, Lehren daraus zu ziehen. – als Protagonistin eines Buches, in dem das älteste ihrer drei Kinder, die heutige Chefin des Potsdamer Filmmuseums, Bärbel Dalichow, der fordernde und unbequeme Gegenpol ist. Geschrieben hat diese ungewöhnliche „Familiengeschichte“ Uwe-Karsten Heye, nach einem Leben in den Chefetagen sozialdemokratischer Politik, heute Chefredakteur des „Vorwärts“ – voller Neugier, einen Blick ins DDR-Innere zu werfen, und Autor auch der eigenen, im Westen erlebten Familienbiografie, die er überschrieb: „Vom Glück nur ein Schatten.“
Das Buch, aus dem Brunhilde Hanke in Beeskow liest, trägt den Titel: „Wir wollten ein anderes Land“ – eines ohne die Angst des faschistischen Deutschland, eines aber auch, das einen mit seinen Fragen und Unsicherheiten nicht allein lässt, dass die Alltagssorgen der Menschen nicht zu gering achtet. Brunhilde Hankes Wunsch nach einem anderen Land schließt auch die Gegenwart ein, sie zeigt sich interessiert und informiert auch zu den höchst bedrängenden Problemen der Gegenwart. Das Lernen, das Ringen um Durchsicht wird wohl nicht aufhören. Dafür sorgt schon Max, Brunhilde Hankes Chauffeur für die Fahrt nach Beeskow, ihr Enkel, Sohn von Bärbel Dalichow, der sich mit seinen Fragen munter in die Diskussion mischt. Ein lehr- und genussreicher Nachmittag!